14.08.2019

Die Stadt mit Radschnell­wegen zukunfts­fähig gestalten

Am 13. August kamen rund 120 Interessierte und Ortskundige bei der öffentlichen Info- und Dialogveranstaltung zusammen, um mit Fachplaner*innen und Beteiligten über die Trassenführung der geplanten Radschnellverbindung „West-Route“ zu diskutieren.

Projektleiter, Torsten Perner von Ramboll, präsentiert das Vorgehen zur Trassenfindung und die Streckenvarianten der "West-Route"

Projektleiter, Torsten Perner von Ramboll, präsentiert das Vorgehen zur Trassenfindung und die Streckenvarianten der "West-Route"

Die „West-Route“ ist eine von elf geplanten Radschnellverbindungen für Berlin. Sie soll Radfahrende komfortabel, zügig und ohne viele Zwischenstopps von Spandau über Charlottenburg-Wilmersdorf bis ins Berliner Zentrum führen. Fachplaner Torsten Perner präsentierte den 120 Teilnehmer*innen des voll besetzten BVV-Saals im Rathaus Charlottenburg die untersuchten Routenvarianten, den aktuellen Planungsstand und die weiteren Arbeitsschritte

Der Projektleiter, des von infraVelo beauftragten Fachplanungsteams ETC Gauff Mobility, Ramboll, EIBS, zeigte die vielen möglichen Varianten samt Vor- und Nachteilen für Radverkehr, Autoverkehr und Fußgänger*innen auf. Er stellte auch die derzeit aus fachlicher Sicht am besten bewertete Routenvariante über die Heerstraße vor. Perner wies auf die großzügigen Flächen entlang der Hauptstraßen hin, die man wesentlich effizienter nutzen und aufteilen müsse, um als Stadt auch zukünftig leistungsfähig zu bleiben. Dieser Streckenverlauf stieß auch bei der Mehrheit der Teilnehmenden auf Zustimmung als direkteste und schnellste Verbindung von Spandau nach Charlottenburg in Richtung Stadtzentrum.

Ingmar Streese, Staatssekretär für Verkehr, Oliver Schruoffeneger, Bezirksstadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf und Frank Bewig, Bezirksstadtrat von Spandau, freuten sich über das große Interesse der Bürger*innen im Rathaus Charlottenburg. Sie gaben ihnen mit auf den Weg, alle Verkehrsteilnehmenden bei den Überlegungen zur Route zu berücksichtigen und bei Diskussionen unter Radfahrenden auch den ÖPNV und vor allem Fußgänger*innen mitzudenken.

Staatssekretär für Verkehr, Ingmar Streese, eröffnet die Veranstaltung im Rathaus Charlottenburg

Staatssekretär für Verkehr, Ingmar Streese, eröffnet die Veranstaltung im Rathaus Charlottenburg

Themen mit besonderem Diskussions­bedarf

Gemeinsam mit dem Fachplanungsteam, Vertreter*innen der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und infraVelo sprachen die Teilnehmenden unter anderem über die Vor- und Nachteile der Führung entlang von Hauptverkehrsstraßen, die Gestaltung von Knotenpunkten und Kreisverkehren (wie z.B. dem Ernst-Reuter-Platz). 
Auch über den Zeitrahmen bis zur Fertigstellung und die zeitintensiven Prozesse wie beispielsweise das umfangreiche Planfeststellungsverfahren wurde diskutiert. Frank Bewig dazu: „Es ist immer gut, wenn man Gesetze beschließt, aber solche Gesetze sind nicht mit einem Fingerschnips umgesetzt. Solche Gesetze muss man in einem Prozess umsetzen." Ein Projekt wie eine Radschnellverbindung werde nicht über Nacht oder innerhalb eines Jahres vollzogen. Das Fachplanerteam betonte in dem Zusammenhang noch einmal, dass es um eine komplette Neugestaltung von Straßen gehe und eine „Umwandlung, die auch noch in 50 Jahren“ funktionieren müsse. Das erfordere noch deutlich mehr Planungsarbeit als beispielweise eine Protektionierung von Radwegen. Ziel sei es, die Berliner Straßen „zukunftsfähig“ zu machen.

Zum Radweg in der Heerstraße (zwischen Frey- und Stößenseebrücke), der auf einem Abschnitt der geplanten Radschnellverbindung liegt, äußerte sich Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese. Er teilte mit, dass die Senatsverwaltung sich die Lage vor Ort kurzfristig ansehen werde, um eine zeitnahe Lösung zu finden, die dem Rad- sowie dem Fußverkehr gerecht werde. Man werde die nötige Bauzeit noch einmal gründlich anschauen – und die Strecke natürlich auch in Abstimmung mit den späteren Plänen für eine Radschnellverbindung bringen.

Der Routenverlauf

Der untersuchte Trassenkorridor für die rund 16 Kilometer lange „West-Route“ beginnt in Berlin-Spandau an der Landesgrenze zu Dallgow in Brandenburg und endet am S-Bahnhof Tiergarten in Charlottenburg-Wilmersdorf. Dabei sollen zahlreiche Wohnquartiere mit dem Olympiastadion, der Einkaufsmeile entlang der Wilmersdorfer Straße, der Technischen Universität sowie weiteren Schul- und Ausbildungszentren im und am S-Bahn-Ring verbunden werden. Es ist vorgesehen, dass die Trasse ab dem S-Bahnhof Tiergarten weiter als „Landsberger Allee – Marzahn / Ost-Route" bis an die östliche Berliner Stadtgrenze zu Brandenburg. Die Gesamtstrecke der West- und Ost-Route umfasst rund 35 Kilometer.

Drei Dialoginseln

In drei Gesprächsgruppen konnten sich die Interessierten direkt mit den Planer*innen von ETC Gauff Mobility, Ramboll und EIBS austauschen und ihre Kenntnisse als Expert*innen vor Ort, ihre Ideen oder Kritikpunkte für die Abschnitte mitteilen.

  • Bereich 1: Stadtgrenze – Stößensee
  • Bereich 2: Stößensee – Messedamm
  • Bereich 3: Messedamm – Tiergarten

Diskutiert wurde u. a. über:

  • Führung entlang von Hauptverkehrsstraßen (insb. Heerstraße) vs. Führung entlang von Nebenstraßen
  • Möglichkeiten einer zeitnahen Verbesserung des Radwegs in der Heerstraße (zwischen Frey- und Stößenseebrücke)
  • Verkehrsführung oder (Um-)Gestaltung von Kreisverkehren (Bsp. Brücke mit Querung am Ernst-Reuter-Platz zur Beschleunigung des Radverkehrs in beide Richtungen oder Theodor-Heuß-Platz)
  • Verhinderung von Zweckentfremdung der Radwege durch parkenden Verkehr (Welche baulichen oder anderen Lösungen könnten funktionieren?)
  • Berücksichtigung von (neu entwickelten) Wohngebieten (z. B. Richtung Kladow oder Gatow)
  • Führung durch Grünanlagen
  • Berücksichtigung des Veranstaltungsverkehrs zum Olympiastadion; in diesem Zusammenhang auch das Schaffen von zusätzlichen Fahrradabstellmöglichkeiten in der Heerstraße

Über den Stand zur Bearbeitung der Hinweise wird auf der infraVelo Website berichtet.

Wie geht es nach der Machbarkeitsuntersuchung weiter?

Die Machbarkeitsuntersuchung für die „West-Route“ soll im vierten Quartal 2019 abgeschlossen sein. Die Hinweise von Bürger*innen werden darin aufgenommen und berücksichtigt. Daran schließen sich die weiteren Planungsschritte und das formelle Planfeststellungsverfahren mit weiteren Möglichkeiten zur Beteiligung für Interessierte an. Für diesen Planungsprozess sind insgesamt mindestens 30 Monate nötig, so dass mit einem Baubeginn nicht vor 2023 zu rechnen ist