30.04.2019

Wenn Radfahren in Berlin zügiger möglich ist …

Können sich Radelnde schneller von A nach B bewegen, wird das Fahrrad eine echte Alternative zu Auto und Bahn. Über Routenvarianten der Radschnellverbindung vom Wannsee bis zum Ku’damm diskutierten Interessierte am 29. April im Rathaus Zehlendorf.

Wie soll die Radschnellverbindung durch den Grunewald geführt werden, sodass sich Radfahrende, Jogger*innen und Skater*innen nicht in die Quere kommen? Welche Anbindungsmöglichkeiten gibt es zur Stadt Potsdam? Bei der Informations- und Dialogveranstaltung am 29. April im Rathaus Zehlendorf widmeten sich die rund 80 Interessierten und Ortskundigen gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (SenUVK), Vertreter*innen aus den Bezirken, Fachplanern und infraVelo diesen und weiteren Fragen. Maren Schellenberg, Bezirksstadträtin in Steglitz-Zehlendorf, hieß alle Teilnehmenden Willkommen und ermunterte zu einem aktiven Austausch.

Peter Feldkamp, Koordinierungsstelle Radverkehr SenUVK, erläuterte die Relevanz der Radschnellverbindungen für den Berliner Stadtverkehr

Peter Feldkamp, Koordinierungsstelle Radverkehr SenUVK, erläuterte die Relevanz der Radschnellverbindungen für den Berliner Stadtverkehr

Der „Königsweg-Kronprinzessinnenweg“ ist eine der elf geplanten Radschnellverbindungen in Berlin, die dazu beitragen sollen, das Radfahren komfortabler zu gestalten − vor allem auch für Menschen, die vom Berliner Umland ins Zentrum oder in die umgekehrte Richtung fahren, bislang aber mit dem Auto oder ÖPNV unterwegs sind. „Wenn wir die Verkehrswende schaffen wollen, dann müssen wir die Pendlerströme in den Griff bekommen“, sagte Peter Feldkamp, Koordinierungsstelle Radverkehr in der SenUVK. Radschnellverbindungen seien dabei „das Leuchtturmprojekt der Radverkehrsförderung“, eng gekoppelt mit dem geplanten Radwegenetz.

Die Trasse „Königsweg-Kronprinzessinnenweg“, die durch die Bezirke Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf führt, baut bereits auf einer guten Infrastruktur mit wenigen Knotenpunkten auf und ist landschaftlich besonders attraktiv: An vielen Streckenabschnitten erfüllen die vorhandenen Wege bereits die erforderliche Mindestbreite von rund vier Metern für Radfahrende.

Die Verbindung: Vom Wannsee bis zum Ku`dam

Die Planung sieht vor, Radelnde über die Radschnellverbindung vom S-Bahnhof Wannsee durch die Ortsteile Nikolassee und Wannsee, weiter durch den Grunewald bis zur Messe Berlin sowie zum westlichen Ende des Kurfürstendamms zu führen. Mit etwa sieben Kilometern verläuft ein Großteil der rund zwölf Kilometer langen Strecke durch ein Waldstück entlang der AVUS (BAB A 115) zum S-Bahnhof Grunewald.

Alternative Streckenführungen wurden innerhalb eines einen Kilometer breiten Korridors geprüft und bewertet. Im mittleren Abschnitt, der durch den Grunewald führt, gibt es allerdings kaum Möglichkeiten für alternative Wegeführungen. Ein besonderer Konfliktpunkt der Diskussionen war der Parkplatz am Hüttenweg.

Der Weg ist das Ziel: Diskussion der Routenvarianten

Das Ziel der Machbarkeitsuntersuchung ist es, eine Vorzugsvariante für die geplante Radschnellverbindung zu definieren. Dazu prüfen die Fachplaner*innen einzelne Abschnitte auf unterschiedliche Faktoren wie beispielsweise Lage, Anzahl der Fahrstreifen, zulässige Geschwindigkeit, Oberfläche, Parksituation oder Barrierefreiheit.

Berücksichtigt werden aber auch Anliegen und Hinweise von Interessierten und Ortskundigen durch die frühe Einbeziehung im Rahmen der Informations- und Dialogveranstaltungen. Bei dieser Trasse konnten die Teilnehmer*innen ­–überwiegend aus den Bezirken Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf − ihre Erfahrungswerte mit einzelnen Abschnitten in drei Dialoginseln teilen und den Planer*innen so Vorschläge und Kritikpunkte mit auf den Weg geben. Bei der Zusammenfassung der Ergebnisse aus den Gruppenphasen machte Fachplaner Peter Bischoff von SHP Ingenieure deutlich, das die Teilnehmenden „wertvolle Anregungen“ beigetragen haben. Diese werden im weiteren Verlauf der Machbarkeitsuntersuchung geprüft, fließen mit in die Bewertung ein und tragen dadurch auch zur Trassenfindung bei.  

Der Austausch erfolgte zu folgenden drei Routenbereichen:

  • Bereich 1: Nord
    Führung durch die Ortsteile Grunewald und Westend
  • Bereich 2: Mitte
    Führung durch den Grunewald, parallel zur Autobahn A 115
  • Bereich 3: Süd
    Führung durch die Ortsteile Nikolassee und Wannsee

Die Teilnehmer*innen diskutierten u. a. über folgende Themen:

  • Natur- und Landschaftsbelange im Grunewald
  • Nutzungskonflikte zwischen unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer*innen, z. B. zwischen Radfahrer*innen, Skatern, Joggern und Fußgänger*innen
  • Ausreichende Beleuchtung, v. a. entlang der Strecke durch den Grunewald, ggf. Möglichkeiten der dynamischen Beleuchtung
  • Berücksichtigung und Gestaltung von Anbindungen, wie z. B. der Hüttenweg als wichtige Anbindung von Zehlendorf in Richtung Norden
  • Punktuelle Engstellen entlang der Strecke und Umgestaltung, wie beispielweise im Bereich S-Bahnhof Wannsee
  • Anbindungen an das Land Brandenburg / Potsdam

Über den Namen der Route wurde ebenfalls diskutiert und abgestimmt: Die Mehrheit der Teilnehmenden votierten für einen neuen Namen der Route. Die Radschnellverbindung Königsweg-Kronprinzessinnenweg sollte „Grunewald-Route“ heißen.

Die detaillierte Dokumentation der Veranstaltung wird in den kommenden Wochen auf der infraVelo Website veröffentlicht.

Wie geht es weiter?

Die Machbarkeitsuntersuchung für diese Route soll im dritten Quartal 2019 abgeschlossen sein. Daran schließen sich weitere Planungsschritte sowie öffentliche Beteiligungsoptionen für Interessierte an. Für diesen Planungsprozess sind mindestens 30 Monate zu berücksichtigen, sodass mit einem Baubeginn nicht vor 2022 zu rechnen ist.

© SHP Ingenieure/Design-Gruppe

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