17.04.2019

„Keine Verkehrs­planung mehr durch die Windschutz­scheibe“

Rund 150 Interessierte diskutierten am 16. April bei der Veranstaltung zur Radschnellverbindung "Y-Trasse" mit der SenUVK, Bezirken, Fachplanern und infraVelo über die Routenvarianten. Die Hinweise fließen mit in die Bewertung zur Trassenfindung ein.

Die Fachplaner*innen informierten bei der öffentlichen Informations- und Dialogveranstaltung über den aktuellen Planungsstand zur „Y-Trasse“, die durch die drei Bezirke Treptow-Köpenick, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg führt. Dabei ging es vor allem darum, Interessierte zu einem frühen Zeitpunkt mit in das Vorhaben einzubeziehen und ihre Hinweise als Expert*innen vor Ort für die Bewertung der Streckenabschnitte zu berücksichtigen.

Staatssekretär Ingmar Streese eröffnete die Veranstaltung im Heimathafen Neukölln

Staatssekretär Ingmar Streese eröffnete die Veranstaltung im Heimathafen Neukölln

Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Staatssekretär für Verkehr Ingmar Streese, Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Friedrichshain-Kreuzberg) und Bezirksbürgermeister Martin Hikel (Neukölln), denen die Förderung des Radverkehrs sehr am Herzen liegt. Sie riefen dazu auf, sich intensiv an diesem wichtigen partizipativen Prozess zu beteiligen. Martin Hikel warb für einen Perspektivwechsel, also auch mal „die Brille anderer Verkehrsteilnehmer aufzusetzen“, um die Interessen aller zu berücksichtigen. Die Zeit für eine Verkehrsplanung „durch die Windschutzscheibe“ sei endgültig vorbei.

Die insgesamt zehn geplanten Radschnellwege sollen Radfahrer*innen sicher und komfortabel auf längeren Strecken über fünf Kilometern durch Berlin leiten oder auch zügig an die Stadtgrenze bringen. Die Planer*innen schätzen, dass durch den Radschnellweg „Y-Trasse“ im Durchschnitt abschnittsweise bis zu 3.100 Autofahrten pro Tag durch das Fahrrad ersetzt werden könnten. Auf den Abschnitten vom Britzer Hafen bis zum Görlitzer Park oder entlang der westlichen Route bis zum Südstern könnte sich die Reisezeit laut derzeitigen Prognosen um 1/3 verkürzen. Das wäre schneller als mit dem Pkw prognostiziert.

Die geplante Y-Trasse und die Routenvarianten

Die Y-Trasse soll Radfahrer*innen auf einer rund 17 Kilometer langen Strecke von Adlershof im Südosten Berlins, zunächst parallel zur Autobahn BAB 113 und dem südlichen Teltowkanal bis nach Neukölln und Kreuzberg führen. Am Britzer Hafen, in Nord-Neukölln, teilt sich die Trasse in zwei Streckenarme. Der westliche Abschnitt führt in Richtung Südstern, der östliche zum Görlitzer Park.

Innerhalb eines zwei Kilometer breiten Korridors wurden unterschiedliche Strecken untersucht und bewertet. Ziel der Machbarkeitsuntersuchung ist es, eine Vorzugstrasse innerhalb dieses Korridors festzulegen. Es geht also darum, zu klären, wie die Strecke genau verlaufen wird. Als Zwischenergebnis der Untersuchung wurde eine Route herausgestellt, die aus fachlicher Sicht zu diesem Zeitpunkt als bestmögliche Route geeignet ist (vgl. Abbildung, rote Strecke). Daneben wurden drei Alternativrouten (vgl. Blau, Gelb, Orange) vorgestellt.

© SHP Ingenieure/Design-Gruppe

© SHP Ingenieure/Design-Gruppe

Austausch in vier Dialoginseln

Die Teilnehmenden konnten sich in insgesamt vier Dialoggruppen zu vier Routenbereichen austauschen und ihre Ideen, Bedenken oder Kritikpunkte zu den Plänen äußern. Auch Martin Hikel und Monika Herrmann diskutierten Detailfragen in den Gruppen. Die Gesprächsphasen wurden jeweils durch eine Moderation und ein*e Fachplaner*in begleitet und dokumentiert:

  • Bereich 1: Hasenheide/Oderstraße Foyer
  • Bereich 2: Görlitzer Bahnhof/Betriebsweg A 100 
  • Bereich 3: Betriebsweg A 113 
  • Bereich 4: Delfter Ufer/Rungiusstr./Britzer Verbindungskanal

Die Hinweise und Vorschläge fließen mit in die Bewertung der Streckenvarianten ein und tragen zur Trassenfindung bei. Besondere Anliegen und Konfliktthemen waren u. a.:

  • Umgang mit punktuellen Engstellen entlang der Strecke
  • Ausreichende Ausweisung von Fahrradstraßen
  • Lösungsansätze für hohen Durchgangsverkehr in Fahrradstraßen
  • Integration der Route in das vorhandene Radwegenetz, z. B. Einfädelung der Radfahrenden im Bereich Görlitzer Bahnhof
  • Schaffen von Aufmerksamkeitsbereichen an potenziellen Gefahrenstellen mit vielen Verkehrsteilnehmenden, z. B. entlang des Tempelhofer Feldes
  • Ausreichende Beschilderung/Wegweisung der Radwege
  • Flächenkonkurrenz zwischen Radfahrenden und Fußgänger*innen
  • Überquerung der Wege/Handhabung des Querverkehrs

Über den Stand zur Bearbeitung der Hinweise wird auf der infraVelo Website berichtet.

Wie geht es weiter?

Im 3. Quartal 2019 soll die Machbarkeitsuntersuchung zur Y-Trasse abgeschlossen und eine Vorzugstrasse definiert sein. Die Ergebnisse aus der Veranstaltung werden in den weiteren Bearbeitungsschritten berücksichtigt. Für den daran anschließenden Planungsprozess sind mindestens 30 Monaten zu berücksichtigen, sodass mit einem Baubeginn ab 2022 zu rechnen ist.

© SHP Ingenieure/Design-Gruppe

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