Farbeimer mit verkehrsgrüner Farbe für Beschichtung von Radweg

Material & Verarbeitung

Radwegbeschich­tungen mit Epoxid­harz und Kalt­plastik

Für die Grünbeschichtung von Radstreifen werden derzeit zwei verschiedene Materialien verwendet: Kunstharz und Kaltplastik. Diese unterscheiden sich beispielsweise hinsichtlich ihrer Eigenschaften, Beschaffungskosten, Trockenzeit und Belastbarkeit. Innerhalb einer fünfjährigen Testphase werden sie im Hinblick auf ihren dauerhaften Einsatz für die Markierung der Berliner Radwege evaluiert.

Zum Inhalt springen

Material und Farbe von Grün­beschichtungen

Bei der Farbauswahl hat Berlin sich an nationalen und internationalen Städten wie Wien oder San Francisco orientiert. Der Farbton im Streckenverlauf ist Verkehrsgrün (RAL 6024). An Kreuzungen, Einmündungen, sonstigen Konfliktbereichen und an sehr stark frequentierten Grundstückszufahrten Verkehrsrot (RAL 3020). Verkehrsgrün und Verkehrsrot sind kontrastreich. Das erhöht die Aufmerksamkeit anderer Verkehrsteilnehmer*innen.

Die Materialien Kaltplastik und Epoxidharz unterscheiden sich u. a. hinsichtlich ihrer Materialeigenschaften, Beschaffungskosten und Belastbarkeit. So sind beispielweise die Beschichtungsarbeiten mit Epoxidharz aufwendiger und zeitintensiver. Die Trockenzeit des Produktes beträgt je nach Außentemperatur bis zu drei Tage, während der Radstreifen bei Kaltplastik bereits nach einer Stunde wieder freigegeben werden kann. Bei einer Außentemperatur von 20°C ist die mit Epoxidharz beschichtete Fläche nach circa drei Stunden wieder begehbar und nach etwa einem Tag mit Verkehr belastbar.

Entscheidend für die Auswahl des Beschichtungsmaterials für die jeweiligen Radwege und Abschnitte sind zusätzliche Verkehrsbelastungen durch PKW- oder LKW-Verkehr. Alle verwendeten Werkstoffe verfügen über eine Zulassung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) beziehungsweise über die erforderlichen Prüfzeugnisse und Zertifikate. 

Farbe auf Radstreifen zeigt Wirkung

Eine wissenschaftliche Untersuchung belegt die positiven Auswirkungen der Grünbeschichtungen auf das Sicherheitsgefühl und Verkehrsverhalten. Auch die Beschichtungsmaterialien wurden im aktuellen Zwischenbericht unter die Lupe genommen.

mehr dazu

Ablauf der Arbeiten bei farblich markierten Radwegen

Infografik - Wie werden Radwege grün markiert?

Bevor ein Radfahrstreifen grün oder rot wird, sind verschiedene Vorarbeiten notwendig: vorhandene Fahrradsymbole und Beschichtungen in Knotenpunktbereichen werden zunächst demarkiert. Zudem wird der Asphalt – wo nötig – ausgebessert. Grundsätzlich muss für eine ausreichende Entwässerung der Fläche gesorgt sein, damit sich kein Regenwasser auf der Straße anstaut und das Material auch in ausreichender Schichtstärke aufgetragen werden kann. Dafür sind in der Regel Fräsarbeiten oder Kugelstrahlarbeiten notwendig.

Insgesamt dauern die Arbeiten – je nach Länge des Radfahrstreifens, der Wetterverhältnisse oder des vewendeten Materials – im Durchschnitt etwa sechs Wochen. Die Durchführung ist jedoch stark witterungsabhängig: Um die Grünbeschichtung vornehmen zu können, muss der Asphalt trocken sein, die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch und die Oberflächentemperatur der Straße soll im besten Fall zwischen 10 und 30 Grad liegen. Diese Abhängigkeiten machen eine verbindliche Aussage nahezu unmöglich. Die Dauer der Beschichtungsmaßnahmen ist zudem materialspezifisch.

Radwegbeschichtung mit Epoxidharz

Überschüssig aufgetragener Quarzsand für grüne Radwege

Radwegbeschichtung mit Epoxidharz

Radwegbeschichtung mit Epoxidharz

Radwegbeschichtung mit Kaltplastik

Radwegbeschichtung mit Kaltplastik

Radwegbeschichtung mit Kaltplastik

Radwegbeschichtung mit Kaltplastik

Hintergrund: Mikro­plastik

Bei der Klima- und Umweltverträglichkeit von Verkehrsmitteln – vom Auto über den ÖPNV bis zum Fahrrad – wird häufig darüber diskutiert, wie viel Kraftstoff verbraucht, welche Schadstoffe entstehen und wie hoch der Materialeinsatz bei der Produktion dieser Verkehrsmittel ist. Zunehmend wird auch über Mikroplastik gesprochen. Ein Hintergrundbericht.

Rund 30 Prozent des gesamten Mikroplastiks in Deutschland werden nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Umwelt, Sicherheit und Energietechnik durch den Verkehr verursacht, insbesondere durch Reifenabrieb von Pkw und Lkw. Der Anteil des Abriebs durch Skateboards, Fahrräder und Motorräder liegt hingegen bei unter einem Prozent. Mikroplastik wird zudem bei der Abfallentsorgung, auf Baustellen, durch den Abrieb von Fahrbahndecken, durch Verwehungen auf Sport- und Spielplätzen sowie durch den Abrieb von Schuhsohlen, Kunststoffverpackungen und Textilfasern freigesetzt.

Auch der Abrieb von Fahrbahnmarkierungen und Grünbeschichtungen verursacht Mikroplastik. Dies ist im Bauwesen nahezu unvermeidbar. Alle derzeit bei den Grünbeschichtungen verwendeten Materialien sind Kunststoffe. Der Abrieb der Beschichtungen durch Fahrräder oder überfahrende Pkw setzt in geringem Maße Mikroplastik, also kleinste Partikel, die sich aus dem Kunststoff lösen, frei. Diese werden dann über die Kanalisation abgeführt.

Rund zwei Prozent der Mikroplastikemissionen sind in Deutschland auf den Abrieb von Fahrbahnmarkierungen insgesamt zurückzuführen, darunter fallen auch Radverkehrsmarkierungen (Quelle: Fraunhofer-Institut für Umwelt, Sicherheit und Energietechnik: „Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik“, Juni 2018). Durch die Grünmarkierungen, die in dieser Statistik noch nicht erfasst sind, wird sich dieser Anteil geringfügig erhöhen. Dem steht gegenüber, dass durch farbliche Markierungen der umweltfreundliche Fahrradverkehr gegenüber dem motorisierten Verkehr gestärkt werden soll und auf diesem Weg deutlich mehr Einsparungspotenziale bei Mikroplastikemissionen erzielt werden können.