Begleit­untersuchung zu Grün­beschichtungen

Ergebnisse zu Wirkung und Material farbig beschichteter Radstreifen

Zu farbig beschichteten Radwegen gibt es bisher wenig wissenschaftliche Erkenntnisse. Für die grünen und roten Beschichtungen von Radstreifen in Berlin werden deshalb seit 2018 über fünf Jahre die Wirkung auf die Verkehrsteilnehmenden und die eingesetzten Materialien untersucht. Erste Ergebnisse belegen eine höhere Verkehrssicherheit und ein besseres Miteinander der Verkehrsteilnehmenden.

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Warum eine Versuchsphase?

Farbige Beschichtungen von Radverkehrsanlagen werden in Deutschland in der Regel nur in roter Farbe in Konfliktbereichen wie Kreuzungen aufgebracht. In einigen Ländern werden die gesamten Radwege-Flächen auch farbig markiert. Zum Beispiel sind Radwege in den Niederlanden fast durchgängig in Rot gehalten. Trotzdem gibt es bislang nur wenig Veröffentlichungen und empirische Untersuchungen zur Wirkung durchgängiger Färbungen.

Radstreifen mit roter und grüner Beschichtung

Grünbeschichtung in der Wichertstraße (Prenzlauer Berg)

Grünbeschichtung in der Wichertstraße (Prenzlauer Berg)


Für die Grünbeschichtungen, die seit 2018 von infraVelo und auch von den Straßen- und Grünflächenämtern der Bezirke durchgeführt werden, hat die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz deshalb eine wissenschaftliche Begleituntersuchung beim Büro Planungsgemeinschaft Verkehr (PGV) in Auftrag gegeben. Laufzeit der Begleituntersuchung: 2018–2023.

Die ersten Ergebnisse der Untersuchung wurden im April 2021 veröffentlicht. Der Zwischenbericht enthält Ergebnisse für 14 grün beschichtete Strecken. Ein Abschlussbericht mit weiteren Untersuchungen wird 2023 vorliegen.

Wesentliche Ergebnisse zur Wirkung von Grünbeschich­tungen

Um herauszufinden, welche Wirkung grün beschichtete Radstreifen auf die Verkehrsteilnehmenden haben, wurden standardisierte Befragungen und Beobachtungen durchgeführt.

Mit einer Vor-Ort-Befragung an grün beschichteten Radstreifen wurden Erfahrungen und Meinungen ausgewählter Radfahrender erhoben. Die Auswahl erfolgte über das Zufallsprinzip. Es zeigte sich bei einem Großteil der Befragten eine positive Wahrnehmung der Infrastrukturmaßnahme und ein höheres Sicherheitsgefühl.

Mit Videoaufnahmen wurden Verhaltensänderungen von Rad- sowie Autofahrenden vor und nach der Grünbeschichtung beobachtet. Die Aufnahmen wurden jeweils an den gleichen Orten und zu den gleichen Tageszeiten gemacht, um andere Einflüsse möglichst auszuschließen. Die Verhaltensbeobachtungen zeigten, dass sowohl Rad- als auch Autofahrende sich nach der Grünbeschichtung stärker an bestehende Regeln hielten und sich verkehrssicherer verhielten.

Material & Verarbeitung

Für die Grünbeschichtung von Radwegen werden derzeit zwei verschiedene Materialien verwendet: Kunstharz und Kaltplastik. Diese unterscheiden sich beispielsweise hinsichtlich ihrer Eigenschaften, Beschaffungskosten, Trockenzeit und Belastbarkeit.

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Bewertung der Materialien

Für die Grünbeschichtungen werden zwei verschiedene Materialien verwendet: Kaltplastik und Epoxidharz. Im Rahmen der Begleituntersuchung werden relevante Eigenschaften beider Materialien bewertet und miteinander verglichen.

Besonderes Gewicht in der Bewertung hat die Griffigkeit der Oberfläche. Wird die Straßenoberfläche bei Nässe zu rutschig, kann das zu Stürzen führen. Diese Gefahr konnte in der Untersuchung ausgeschlossen werden. Der sogenannte SRT-Wert wird nach der Fertigstellung einer Maßnahme regelmäßig überprüft, um die Rutschfestigkeit des Bodenbelags zu messen. In geringerem Maße haben außerdem Haltbarkeit, Sichtbarkeit, Trocknungsdauer und Herstellungskosten der Materialien Einfluss auf ihre Gesamtbewertung.

Messung der Griffigkeit der Straßenoberflache mithilfe eines SRT-Pendels

Ermittlung der Griffigkeit der Straßenoberfläche mithilfe eines SRT-Pendels nach der Grünbeschichtung der Reinickendorfer Straße im Mai 2020

Ermittlung der Griffigkeit der Straßenoberfläche mithilfe eines SRT-Pendels nach der Grünbeschichtung der Reinickendorfer Straße im Mai 2020

Ein abschließender Vergleich beider Materialien wird erst im Abschlussbericht der Untersuchung vorgenommen. Dieser wird auch Details zu Umweltweltwirkungen wie Mikroplastikabrieb, CO2-Bilaz und Ozonbildung enthalten.

Abschlussbericht erscheint 2023

Gegenstand der Begleituntersuchung sind neben den Grünbeschichtungen auch geschützte Radfahrstreifen. Von ihnen wurden zum Zeitpunkt des Zwischenberichts erst zwei Strecken untersucht. Aussagekräftige Ergebnisse für geschützte Radfahrstreifen wird deshalb erst der Abschlussbericht enthalten, der 2023 erscheint.