
Kopfsteinpflaster prägt das Berliner Stadtbild, ist für Radfahrende jedoch nicht immer komfortabel zu fahren. Mit dem Schleifen von Pflasteroberflächen wenden infraVelo und die Berliner Bezirke ein Verfahren an, das den Fahrkomfort deutlich verbessert und gleichzeitig die bestehende Bausubstanz erhält. Ziel ist es, neue Lösungen für eine sichere und attraktive Radverkehrsinfrastruktur zu testen und weiterzuentwickeln.
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Viele Berliner Straßen mit historischem Pflaster sind für den Radverkehr nur bedingt geeignet. Kopfsteinpflaster erschwert die Kontrolle übers Rad und macht das Fahren unbequem. Wenn es regnet, wird die Oberfläche glatt und damit noch anspruchsvoller zu befahren. Außerdem erzeugt das unebene Pflaster mehr Rollgeräusche, wenn Fahrzeuge darüberfahren. Das kann zusätzlich Anwohner*innen belasten.
Millionen Quadratmeter Fahrbahnfläche entfallen in Berlin auf Kopfsteinpflaster. Das entspricht in etwa 1.700 Fußballfeldern.
Pflasterschleifen als schonende Alternative
Um diese Nachteile zu verringern, lassen Städte und Kommunen diese Straßen meist neu pflastern oder mit einer Asphaltdeckschicht erneuern. Dadurch entsteht zwar eine gleichmäßigere Fahrbahn, gleichzeitig verändern solche Eingriffe jedoch häufig das Erscheinungsbild historischer Straßen und greifen tief in die vorhandene Bausubstanz ein.
Gerade dort, wo das Pflaster das Stadtbild prägt oder denkmalgeschützte Bereiche berührt, braucht es deshalb einen anderen Ansatz. Hier setzt das Schleifen von Pflasterflächen an. Statt die Straße grundlegend zu verändern, werden lediglich die Unebenheiten der Steine abgetragen. Das Ergebnis ist eine leisere und besser befahrbare Oberfläche, auf der Radfahrende deutlich komfortabler unterwegs sind. Über die Fugen zwischen den Steinen kann das Regenwasser weiterhin versickern.

„Mit dem Abschleifen von Kopfsteinpflaster haben wir eine neue Technologie und Möglichkeit, wie wir einen Kiez fahrradfreundlich gestalten können. Somit können wir den bisherigen Baustoff Kopfsteinpflaster und das historische Straßenbild erhalten. Gleichzeitig sorgen wir in einer sehr kurzen Bauzeit für spürbar besseres Fahren und weniger Lärm im Kiez.“
So funktioniert das Verfahren
Beim Kopfsteinpflasterschleifen bearbeiten Maschinen die Oberfläche der vorhandenen Natursteine. Vor Beginn der Arbeiten vermessen Fachleute die Straßenoberfläche. Dadurch entsteht ein exaktes Bearbeitungsprofil. Sensoren und Nivelliersysteme erfassen die Pflasterfläche und erkennen Höhenunterschiede. Bei großen Unebenheiten werden diese punktuell ausgebessert und angeglichen.
Anschließend glätten Spezialmaschinen gezielt die Oberfläche. Während die Maschine arbeitet, passt sie ihre Schleiftiefe kontinuierlich an die Messdaten an. So trägt sie nur so viel Material ab wie nötig.
Beim sogenannten „Diamond Grinding“ trägt die Maschine die oberste Schicht der Steine mit diamantbesetzten Werkzeugen millimetergenau ab. Feine Rillen auf der Oberfläche („Grooving“) sorgen dafür, dass Wasser besser abfließt und die Reifen später mehr Halt haben. Das ist besonders bei nasser Fahrbahn wichtig.
Dadurch wird das bestehende Kopfsteinpflaster spürbar komfortabler und sicherer, ohne sein charakteristisches Erscheinungsbild zu verlieren. Frisch geschliffene Steine wirken oft heller. Mit der Zeit nehmen sie jedoch wieder ihre ursprüngliche Farbe an. Das vorhandene Material bleibt erhalten, weshalb das Verfahren eine ressourcenschonende Alternative zu umfassenden Umbaumaßnahmen wie z. B. Asphaltierungen darstellt.
Hufelandstraße: Begleituntersuchung bestätigt die Vorteile des Verfahrens
In der Hufelandstraße in Prenzlauer Berg im Bezirk Pankow hat infraVelo das Verfahren erstmals angewendet. Um die Wirkung des Pflasterschleifens zu bewerten, untersuchten Fachleute die Straße vor, während und nach der Bearbeitung. Dabei kamen verschiedene Methoden zum Einsatz:
infraVelo hat 2026 in der Hufelandstraße eine Fahrradstraße eingerichtet. Anschließend folgt eine Befragung der Verkehrsteilnehmenden. Sie ergänzt die bisherigen Untersuchungsergebnisse.
Nicht jede Straße eignet sich für das Pflasterschleifen
Neben dem Schleifen eignen sich weitere Verfahren, um Komfort und Qualität von Straßen mit Kopfsteinpflaster zu verbessern. In kleineren Nebenstraßen kann beispielsweise nur die Fahrgasse asphaltiert werden, die Parkflächen bleiben dagegen unverändert. Wenn beim Pflaster im Laufe der Jahrzehnte Höhenunterschiede entstanden sind, bietet es sich bei kleineren Flächen an, das Kopfsteinpflaster auszubauen und einzeln zu schleifen oder zu schneiden.
Welche Methode sich am besten eignet, hängt von den örtlichen Rahmenbedingungen ab. Dazu zählen:
- Steinart
- Steingröße
- Art des Untergrunds
- Fahrbahnneigung
- Versickerungsfähigkeit des Untergrunds
- Verkehrsmenge
Darüber hinaus kann es erforderlich sein, Entwässerungsleitungen zu erneuern oder Querungen barriereärmer und sicherer zu gestalten. Planende müssen diesen zusätzlichen Planungs- und Umsetzungsaufwand bei der Auswahl eines Verfahrens berücksichtigen.















