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Radfahrende bei Sternfahrt radeln Richtung Goldelse
Perspektiven

Die Sternfahrt: Ein Tag verändert den Blick auf Berlins Straßen

Inken | 02.06.2026

Am ersten Sonntag im Juni gehört Berlin für einige Stunden vor allem dem Radverkehr. Die Straßen wirken großzügiger, Verbindungen direkter – und vertraute Wege fühlen sich plötzlich neu an.

Bei der ADFC-Sternfahrt wird erlebbar, wie Routen aus verschiedenen Richtungen zusammenfinden und ein Netz bilden.

Diese Erfahrung zeigt beispielhaft, wie sich der Verkehrsraum in Berlin verändern kann: Er entwickelt sich weiter, weil er genutzt wird, weil darüber diskutiert wird – und weil daraus konkrete Planungen entstehen.

Sichtbar machen, was möglich ist

Die Sternfahrt ist eine Fahrraddemonstration. Dabei geht es nicht um das Radeln auf Straßen ohne Autoverkehr. Seit der ersten Sternfahrt in den 70er Jahren geht es darum, Alternativen zur Verkehrsplanung öffentlich zu diskutieren, unterschiedliche Nutzungsbedarfe sichtbar zu zeigen und Diskussionen über die Verteilung des Stadtraums anzustoßen.

Ein Beispiel ist das Gleisdreieck in seiner heutigen Form. Einst waren dort Verkehrsachsen für den Kfz-Verkehr geplant, doch mit der Zeit entstand ein Freiraum mit guten Verbindungen für zu Fuß Gehende und Radfahrende. Solche Entwicklungen sind kein Zufall. Sie können aus dem Zusammenspiel fachlicher und politischer Entscheidungen sowie gesellschaftlichem Engagement entstehen.

Drei Plakate Aufrufe Sternfahrt Historie

Ein Blick auf die Entwicklung der Sternfahrt-Routen im Laufe der Jahre ©ADFC Berlin

Vom Diskurs zur Umsetzung

Mit der Zeit verlagerte sich der Fokus in Politik und Planung: Statt einzelner Maßnahmen ging es zunehmend um zusammenhängende Netze, verbindliche Standards und mehr Qualität. Aus öffentlichen Diskussionen wurden Programme, aus Zielen konkrete Projekte. Das Berliner Mobilitätsgesetz setzte dafür einen wichtigen Rahmen. Die Sternfahrt liefert dafür weiterhin wichtige Impulse.
Gemeinsam mit Senat und Bezirken arbeitet infraVelo daran, solche Impulse praktisch umzusetzen.

Gleichzeitig hat sich auch die Veranstaltung selbst verändert. Es gibt heute sogar Kinderrouten und so können immer mehr Menschen teilnehmen – in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und mit verschiedenen Bedürfnissen.

Marlene Alber vom ADFC Berlin beschreibt diese Entwicklung so:

„Bei der ersten Sternfahrt 1977 demonstrierten einige Tausende Menschen, inzwischen gibt es deutschlandweit Sternfahrten. Die Idee hat sich durchgesetzt und Menschen in der ganzen Welt begeistert. Viele Menschen reisen sogar extra für die Sternfahrt nach Berlin an und freuen sich das ganze Jahr über auf die Fahrt auf der Autobahn.“

Ein Blick auf die Dimension

Die Berliner Sternfahrt zählt zu den größten Fahrraddemonstrationen Europas: Zehntausende Menschen sind jedes Jahr auf rund 20 Routen unterwegs. In besonders starken Jahren waren es bis zu 50.000, in anderen Jahren rund 30.000 oder – abhängig vom Wetter – auch weniger. Aus allen Richtungen strömen sie ins Berliner Zentrum – ein deutliches Zeichen dafür, wie groß das Interesse am Radverkehr ist und wie dieser die Stadt bereits prägt.

Engagement hinter den Kulissen

Die Sternfahrt selbst ist nur der sichtbare Teil. Dahinter stehen Monate der Vorbereitung: Die Routen werden geplant, mit Behörden abgestimmt und vor Ort organisiert. Am Tag selbst sichern hunderte Ehrenamtliche Kreuzungen, weisen den Weg und begleiten die Teilnehmenden durch die Stadt.

Für das Organisationsteam heißt das vor allem, vieles gleichzeitig im Blick zu behalten und zu koordinieren. Am Ende entsteht dadurch eine Veranstaltung, die zeigt, was gemeinsames Engagement möglich macht.

Immer wieder sind es die Begegnungen am Rand der Strecke oder am Zielort, die besonders in Erinnerung bleiben: Menschen kommen zum ersten Mal mit, probieren neue Strecken aus – etwa Fahrten über die Autobahn – und teilen ihre Begeisterung direkt vor Ort. Diese Freude und Offenheit der Teilnehmenden prägen die Atmosphäre der Sternfahrt und machen sie für viele zu einem besonderen Moment im Jahr.

Infrastruktur entsteht im Zusammenspiel

Die Entwicklung des Radverkehrs ist eine langfristige Aufgabe. Formate wie die Sternfahrt sind ein Teil davon. Sie schaffen Sichtbarkeit, bündeln Erfahrungen und machen Zusammenhänge erlebbar.

Für viele Teilnehmende bleibt vor allem ein Eindruck: wie sich Stadt anfühlen kann, wenn Raum anders genutzt wird. Das gemeinsame Fahren über breite Straßen wird zum Perspektivwechsel. Marlene Alber beschreibt diesen Eindruck so:

„Es ist eindrücklich, auf der ganzen Breite einer Stadtautobahn oder auf vielspurigen Straßen gemeinschaftlich Fahrrad zu fahren. Es ist ein Aha-Moment, dass die Stadt auch anders gestaltet werden kann, menschenfreundlicher und lebenswerter.“

Bei der Planung und Umsetzung von Radverkehrsinfrastruktur werden Impulse aus der Stadtgesellschaft aufgegriffen, bewertet und – wo möglich – in dauerhafte Lösungen übersetzt. Das Ergebnis ist ein intensives Zusammenspiel vieler fachlicher, technischer und finanzieller Aspekte.

infraVelo begleitet diesen Weg – von der Analyse und Bewertung über die Planung bis zur Umsetzung vor Ort.

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Kontakte Autoren

Radfahrerin mit blauem Tuch

Inken

Inken arbeitet seit 2017 bei infraVelo im Bereich digitale Kommunikation. Als Oldenburgerin steigt sie natürlich aufs Rad, wann immer es geht – am liebsten auf ihr Muli. Sie freut sich schon auf die nächste Sternfahrt.

Kontakt Marlene 

Marlene Alber Porträt

Marlene Alber

Marlene Alber hat mit ihrem Artikel „Die Sternfahrt: 50 Jahre Protestgeschichte“ (radzeit 2/25) den Impuls für unseren Beitrag gegeben. Sie ist Referentin für Politik beim ADFC Berlin.

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