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Bike on Tour

Durch Berlins grünen Norden: Rundfahrt Tegel – Lübars

Lea | 18.03.2026

Wer meint, Berlin bestünde nur aus Straßenlärm, Hochhäusern und Großstadttrubel, hat den Norden der Stadt noch nicht mit dem Rad erkundet. Eine meiner Lieblingstouren führt von Alt-Tegel durch verwunschene Grünzüge am Nordgraben bis zum Botanischen Volkspark Blankenfelde – und zurück über den Barnimer Dörferweg entlang des Tegeler Fließes.

Start in Alt-Tegel

Am S-Bahnhof Tegel schwinge ich mich aufs Rad und fahre auf der autofreien Eschachstraße ein kleines Stück entlang der Bahngleise. Unter der Woche nutzen vor allem die Schüler*innen des nahegelegenen Humboldt-Gymnasiums die Grünanlage in ihren Pausen. Am Wochenende dagegen bevölkern Familien die Bänke am Spielplatz, junge Männer und Frauen hängen schwitzend an den Calisthenics-Geräten oder jagen dem Ball über den Bolzplatz hinterher. Nach wenigen Minuten erreiche ich die Wilhelm-Blume-Allee und es wird schlagartig ruhiger. Entlang des Friedhof Tegel führt die Allee auf nur 400 Metern zum Nordgraben. 

Entlang am Nordgraben

Der Nordgraben ist ein Entwässerungsgraben, der die Panke mit dem Tegeler See verbindet und parallel dazu verläuft ein beliebter Rad- und Fußweg. Der Nordgraben ist älter, als er wirkt: Er entstand zwischen 1927 und 1938 und war als Teil eines großen Nordkanals geplant, der Berlin mit Havel und Oberspree verbinden sollte. Das Projekt wurde jedoch nie vollendet. Es ist noch gar nicht so lange her, dass Reinickendorf den Weg entlang des Nordgrabens zwischen Gorki‑ und Ziekowstraße asphaltiert und verbreitert hat.  

Und so rolle ich bequem vorbei am Humboldt-Klinikum, dem Finanzamt Reinickendorf und über die Oranienburger Straße, Rödernallee und Schorfheidestraße – alles eingebettet in viel Natur.

An der Bahnlinie der Heidekrautbahn überquere ich die Gleise zu Fuß, denn einen Übergang gibt es nicht. Dahinter geht es auf etwas holprigen Feldwegen weiter, vorbei an idyllischen Kleingärten und immer weiter entlang des Nordgrabens. 

Zwischenstopp: Der Botanische Volkspark Blankenfelde

Über die Dietzgenstraße und Blankenfelder Chaussee erreiche ich schließlich den Eingang zum Botanischen Volkspark Blankenfelde. Dieser Park ist ein echtes historisches Juwel: 1909 als zentraler Berliner Schulgarten gegründet, beherbergt er heute rund 6.000 Pflanzenarten, eine geologische Wand mit mehr als 120 Gesteinsarten und beeindruckende Schaugewächshäuser mit Kakteen und Palmen. Fahrräder müssen leider draußen bleiben, aber für gerade einmal einen Euro Eintritt lässt sich der Park wunderbar zu Fuß erkunden. 

Blick auf die Gewächshäuser im Volkspark Blankenfelde

Der Botanische Volkspark Blankenfelde | Foto: Grün Berlin

Weiterfahrt Richtung Barnimer Dörferweg

Zurück auf der Blankenfelder Chaussee biege ich über Berliner Straße und Buchholzer Straße auf einen Wirtschaftsweg ein. Zwischen Pferdekoppeln und dem Blankenfelder Graben geht es weiter bis zum Möllersfelder Weg und hinüber zum Reitverein Blankenfelde – hier stoße ich auf den Barnimer Dörferweg. 

Abstecher zum Köppchensee

Wer Lust auf einen Abstecher hat, dem empfehle ich den Köppchensee. Dieser kleine See entstand im 19. Jahrhundert durch Torfabbau und wurde später sogar als Müllkippe genutzt, bevor er nach dem Bau der Berliner Mauer im Sperrgebiet lag und sich ungestört zu einem wertvollen Biotop entwickeln konnte. Heute gibt es hier unter anderem seltene Vogel- und Pflanzenarten und es hat sich ein Mosaik aus Trockenrasen, Obstwiesen und Moorbereichen geformt. Achtung: Nur gucken, nicht baden. 

See- und Moorlandschaft

Köppchensee | Foto: Reinhard Christian Niklaus

Lübars und das Tegeler Fließ

Über den Schildower Weg rolle ich nach Lübars, eines der ältesten erhaltenen Dörfer Berlins und bekannt für seine Dorfkirche und den Alten Dorfkrug. Von hier führt der Weg in das Naturgebiet des Tegeler Fließes – ein mäandernder Bachlauf, der Lebensraum für Biber, Eisvögel, Fischotter und zahlreiche seltene Arten bietet. Wer hier zwischen Mai und November unterwegs ist, kann mit etwas Glück einen Blick auf die Wasserbüffel erhaschen, die auf den Nasswiesen weiden. 

Wasserbüffel baden in Sumpflandschaft

Die Wasserbüffel im Tegeler Fließ | Foto: Lea Gröger

Zurück nach Alt-Tegel: Ein Kreis schließt sich

Der weitere Weg verläuft abseits der Straßen, auf Waldwegen und über Bohlenstege, stets nahe am Fließ. Schließlich stehe ich wieder in Alt-Tegel. Was diese Tour so besonders macht? Sie zeigt Berlin von einer Seite, die selbst viele Berliner*innen nicht kennen: ruhig, naturnah, grün und voll mit kleinen Geschichten, die sich zwischen Wasserwegen, alten Dörfern und stillen Feldern verstecken. 

Die Route auf einen Blick

Routenverlauf auf einer Karte
  • Start & Ziel: S-Bahnhof Tegel, 13509 Berlin
  • Länge: ca. 25 km
  • Dauer: 2 Stunden
  • Schwierigkeit: leicht
  • Wegearten: überwiegend Sonderwege, gemeinsamer Fuß- und Radweg

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Kontakt

Lea

Lea kümmert sich seit 2020 bei infraVelo um alles Digitale. Aufgewachsen im Wedding und heute in Tegel zu Hause, weiß sie, wie unterschiedlich sich Stadt anfühlen kann. Mobilität bedeutet für sie Freiheit, Nähe und urbane Vielfalt.

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