Kapitel 2: Kunst macht Orte sichtbar
Kunst am Bau geht historisch bis auf die Weimarer Republik zurück. Damals wurde diese Auftragskunst als Maßnahme zur Bekämpfung von Not und Arbeitslosigkeit der bildenden Künstler in der Nachkriegszeit eingeführt. Seit den 1950er Jahren ist Kunst am Bau integraler Bestandteil bei der Planung öffentlicher Gebäude. Damals beschloss der Deutsche Bundestag, dass für alle Bauten des Bundes ein fester Prozentsatz der Bausumme für Kunst eingesetzt werden sollte.
In Berlin ist Kunst am Bau verankert in der Anweisung Bau (ABau), die in Berlin alles rund ums öffentliche Bauen regelt. Darin ist festgelegt, dass zeitgenössische Formen künstlerischer Gestaltung bei öffentlichen Neubauten des Hoch-, Tief- und Landschaftsbaus zu berücksichtigen sind.
Im Mittelpunkt steht immer der Ort: Kunst nimmt Bezug auf Menschen, Umgebung und Geschichte. Und der Bahnhof in Schöneweide hat Geschichte: Seit 1868 prägt er die Entwicklung des stark industrialisierten Umfelds und ist heute ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt im Südwesten Berlins. Diese Geschichte fließt auch in die Kunst ein.
Das zeigt sich konkret an der ehemaligen Fußgängerunterführung, die 1974 entstand: Der Berliner Künstler Klaus Roenspieß (1935–2021) gestaltete dort zur Eröffnung vier Wandbildmosaike zum Thema Natur und Freizeit, die einen Gegensatz schaffen sollten zur industriellen Entwicklung der Umgebung. Ein Teil dieser Mosaike wurde gesichert und eines wird künftig im neuen Fahrradparkhaus Schöneweide integriert.