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Mobilität trifft Kreativität im Fahrrad­parkhaus Schöne­weide – die ganze Geschichte

Stephanie | 02.07.2026

„Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“

Paul Klee

In Berlin ist alles in Bewegung. Und immer mehr Menschen steigen aufs Rad. Mit dieser Entwicklung entstehen neue Orte, die nachhaltige Mobilität ermöglichen – wie das Fahrradparkhaus in Schöneweide. 

Im Mittelpunkt stehen hier zwar Stellplätze für Fahrräder, doch zugleich wächst ein Ort mit eigener Identität heran: ein Gebäude, das moderne Mobilität sichtbar macht und durch Kunst Menschen und Räume verbindet. Eine Geschichte in vier Kapiteln. 

Kapitel 1: Mobilität neu gedacht

Radfahren ist längst mehr als Fortbewegung. Es ist ein Lebensgefühl: schnell, flexibel, leise, nachhaltig und mit ganz viel Freiheitsgefühl. Entsprechend verändert sich auch die Infrastruktur.  

Ein Fahrradparkhaus ist kein nüchterner Zweckbau mehr. Schöneweide gehört zu den ersten Beispielen. Hier entstehen gleich zwei Anlagen. Ein Fahrradparkhaus am Bahnhof und eine weitere Abstellanlage am Ecksteinweg mit zusammen über 1.100 Stellplätzen.

Hier wird Mobilität neu gedacht. Das Konzept „Kunst am Bau” stärkt diese Idee, setzt Akzente, macht Infrastruktur erlebbar und zeigt, dass hier Zukunft entsteht. Doch was ist Kunst am Bau überhaupt – und warum ist sie ein fester Bestandteil vieler Bauvorhaben? 

Kapitel 2: Kunst macht Orte sichtbar

Kunst am Bau geht historisch bis auf die Weimarer Republik zurück. Damals wurde diese Auftragskunst als Maßnahme zur Bekämpfung von Not und Arbeitslosigkeit der bildenden Künstler in der Nachkriegszeit eingeführt. Seit den 1950er Jahren ist Kunst am Bau integraler Bestandteil bei der Planung öffentlicher Gebäude. Damals beschloss der Deutsche Bundestag, dass für alle Bauten des Bundes ein fester Prozentsatz der Bausumme für Kunst eingesetzt werden sollte.  

In Berlin ist Kunst am Bau verankert in der Anweisung Bau (ABau), die in Berlin alles rund ums öffentliche Bauen regelt. Darin ist festgelegt, dass zeitgenössische Formen künstlerischer Gestaltung bei öffentlichen Neubauten des Hoch-, Tief- und Landschaftsbaus zu berücksichtigen sind.  

Im Mittelpunkt steht immer der Ort: Kunst nimmt Bezug auf Menschen, Umgebung und Geschichte. Und der Bahnhof in Schöneweide hat Geschichte: Seit 1868 prägt er die Entwicklung des stark industrialisierten Umfelds und ist heute ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt im Südwesten Berlins. Diese Geschichte fließt auch in die Kunst ein. 

Das zeigt sich konkret an der ehemaligen Fußgängerunterführung, die 1974 entstand: Der Berliner Künstler Klaus Roenspieß (1935–2021) gestaltete dort zur Eröffnung vier Wandbildmosaike zum Thema Natur und Freizeit, die einen Gegensatz schaffen sollten zur industriellen Entwicklung der Umgebung. Ein Teil dieser Mosaike wurde gesichert und eines wird künftig im neuen Fahrradparkhaus Schöneweide integriert.  

So wird Vergangenheit und Gegenwart am Standort Schöneweide miteinander verbunden und erzählt die Geschichte des Ortes weiter. Für das Fahrradparkhaus in Schöneweide bedeutet Kunst:

  • Mobilität wird als kultureller Raum erlebbar und ist damit mehr als reine Funktion.
  • Der Standort erhält eine eigene visuelle Identität.
  • Das Gebäude wird sichtbarer und attraktiver für alle, die pendeln oder umsteigen. 

Kapitel 3: Der Wettbewerb – fünf Entwürfe für einen Ort

In Treptow‑Köpenick ist Kunst im Stadtraum ein Teil der lokalen Kulturstrategie. Eine bezirkliche Fachkommission begleitet Projekte und sichert die Qualität. 

Damit die Kunst zum Ort passt, startete im Februar 2026 ein Wettbewerb mit fünf Künstler*innen. Nach intensivem Auseinandersetzen und Kennenlernen der Architektur, des Umfelds und der Anforderungen entwickelten die lokalen Künstler*innen ihre Kunstideen bis Mitte Mai.  

Im Fokus der eingereichten Konzepte standen Ideen, die

  • Gebäude und öffentlichen Raum verbinden,
  • Bewegung und Radverkehr aufgreifen,
  • den Ort Schöneweide und Bezirk Treptow-Köpenick reflektieren.

Ein Preisgericht aus Fachleuten der Bereiche Kunst, Architektur und Stadtgesellschaft entschied anonym über die Einreichungen und wählte einstimmig den umzusetzenden Entwurf aus. 

Kapitel 4: Die Entscheidung

Anfang Juni entschied das Preisgericht: Die Berliner Künstlerin Inken Reinert gewinnt mit ihrem Entwurf „Frame Work“ den Wettbewerb.

Sie wird drei Skulpturen aus jeweils zwölf bis sechzehn identischen Fahrradrahmen bauen – zwei für das Fahrradparkhaus, eine für die Anlage am Ecksteinweg. Durch präzises Verschweißen und spiegelbildliche Anordnung entstehen aus Alltagsobjekten abstrakte Formen. Die Skulpturen wirken wie Ornamente im Stadtraum, setzen einen bewussten Kontrast zur industriellen Umgebung und schaffen besondere Aufmerksamkeit.

Die Umsetzung ist für das erste Halbjahr 2027 geplant. 

Am Ende entsteht ein mehr als funktionaler Bau: Kunst am Bau verleiht Infrastruktur Bedeutung, schafft Orientierung und macht Orte unverwechselbar. Sie verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – und zeigt, was Mobilität heute sein kann: Teil des urbanen Lebensraums. 

Kontakt

Stephanie

Seit 2020 unterstützt Stephanie bei infraVelo die kommunikative Entwicklung von ParkYourBike und betreut Presseanfragen sowie Berichte. Die gebürtige Augsburgerin erledigt ihre Wocheneinkäufe bevorzugt mit dem Lastenrad und ist auch sonst gern mit dem Rad oder zu Fuß im Berliner Umland unterwegs.

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