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Bike on Tour

Deine erste mehrtägige Radreise: Was wirklich wichtig ist – und was nicht

Interview mit Nikos | 25.03.2026

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Nikos

Beruflich ist Nikos als Projektmanager seit 2021 bei infraVelo in die Umsetzung neuer Radverkehrsinfrastruktur in Berlin eingebunden – privat entdeckt er am liebsten auf mehrtägigen Radreisen Europa.

Wolltest du schon immer mal eine mehrtägige Radreise unternehmen, aber weißt nicht, wo du anfangen sollst? Nikos ist seit seiner ersten Tour entlang der Donau jedes Jahr mehrere Tage am Stück mit dem Fahrrad unterwegs. Im Interview erzählt er, wie er seine Touren plant, warum realistische Etappen und gute Vorbereitung entscheidend sind und was ihn trotz Regen, Umwegen und Höhenmetern immer wieder aufs Rad steigen lässt.

Wohin ging deine erste mehrtägige Radreise?

Nikos: Das war im Sommer 2019, als ich noch in Karlsruhe lebte. Ein Freund wollte mit dem Fahrrad bis zu seiner Heimatstadt in der Nähe von Passau entlang der Donau fahren und hat mich gefragt, ob ich ihn begleiten möchte. Damals machte ich zwar oft Tagestouren mit dem Fahrrad, eine mehrtägige Radtour hatte ich aber nie gemacht. Die Idee fand ich super, auch wenn ich etwas Respekt vor der Distanz hatte. Wir sind also von der Donauquelle in Donaueschingen bis Passau zusammen geradelt, ich bin dann allein bis Wien weitergefahren, weil ich noch nie dort war und die Stadt besuchen wollte. Es waren insgesamt ca. 900 km in 10 Tagen. Das hat mir so gut gefallen, dass ich seitdem jedes Jahr eine mehrtägige Radtour mache.

Was gefällt dir am Reisen mit dem Rad besonders gut?

Nikos: Fahren mag ich generell, die Geschwindigkeit auch. In Bewegung, im „Flow“ zu sein, ist für mich wie Meditation. Mit dem Fahrrad in Bewegung zu sein ist kostengünstig, gesundheitsfördernd und man ist auch näher an seiner Umgebung dran, man kann sie viel besser wahrnehmen als wenn man z. B. mit dem Auto unterwegs ist. 

Wenn du eine mehrtägige Tour mit dem Fahrrad planst – wie gehst du da vor?

Nikos: Als allererstes lege ich jedes Jahr den Anfang und das Ende meiner Tour fest. Das sind meistens Orte bzw. Strecken von kulturellem Interesse, wo ich noch nie war, wie z. B. der Jakobsweg oder der Fernradweg Eurovelo 9 zwischen Danzig und Triest. Die Tour sollte urlaubsbedingt nicht viel länger als drei Wochen dauern. Im Schnitt mag ich jeden Tag nicht länger als acht Stunden inkl. Pausen unterwegs sein, Erholung muss sein. Abhängig davon, wie viele Höhenmeter ich am Tag habe, möchte ich zwischen 80 und 120 km am Tag fahren, nicht viel länger. Dementsprechend passe ich ggf. die Gesamtstrecke an und plane als nächstes die einzelnen Etappen mit Komoot. Dann lege ich die Orte fest, wo ich übernachten möchte, und buche die Unterkünfte. Wenn die Radtour nicht in Berlin beginnt oder endet, muss ich natürlich auch die Zug- oder Flugzeugverbindungen bei der Planung berücksichtigen.

Welche Ausrüstung ist auf jeder deiner Radreisen unerlässlich?

Nikos: Ich denke, ohne Navi wäre alles viel schwieriger. Extra Schläuche und Werkzeuge für kleine Reparaturen muss man immer dabei haben, Platten sind leider unvermeidlich. Regenklamotten für alle Fälle sind auch unverzichtbar. Ansonsten: Go light! Jedes gesparte Gramm zählt. Das zweite Paar Schuhe habe ich z. B. nach der ersten Radtour durch Flipflops ersetzt.

Zwei Männer beugen sich über einen abmontierten Fahrradreifen und reparieren etwas.

Foto: privat

Hast du einen Tipp für Leute, die ihre erste längere Radreise starten wollen, sich aber bisher noch nicht getraut haben?

Nikos: Ich würde sagen, teste zuerst deine Grenzen. Schau, wie viele Kilometer du am Tag machen willst und kannst. Darauf kann man dann eine mehrtägige Radtour aufbauen. Für den Anfang würde ich Strecken empfehlen, die eher flach sind und wo die Infrastruktur gut ausgebaut ist. Perfekt dafür sind Routen entlang von Flüssen, wie z. B. der Donauradweg oder das Loiretal in Frankreich. 

Gab es auf deinen Touren mal Situationen, in denen wirklich etwas schiefging – und wie bist du damit umgegangen?

Nikos: Zum Glück hat es kein Hindernis gegeben, das ich nicht überwinden konnte. Ein paar Mal hat es so stark und so lange geregnet, dass ich mich entschieden habe, mit dem Zug weiterzufahren. In Slowenien gab es vor einigen Jahren Überflutungen, wodurch eine Brücke auf meinem Weg teilweise abgestürzt war. Ich stand plötzlich da und musste einen Umweg finden. Bei einer Radtour in Italien war auf dem Weg eine ganze Straße durch einen Erdrutsch verschwunden. Ich bin dann ein Stückchen zurückgefahren und auf eine Schnellstraße ausgewichen. Aus der Ferne sah ich einen Tunnel am Ende der Straße. Fahrradfahren in Tunneln ist generell für mich ein No-Go, es sei denn, es ist explizit erlaubt. Glück im Unglück: Es gab es eine Ausfahrt direkt vor dem Tunnel, die zur alten Straße hinter dem beschädigten Abschnitt fuhr, sodass ich auf meinem ursprünglich geplanten Weg weiterfahren konnte. Andernfalls wäre ich zurückgekehrt und mit dem Zug bis zum Etappenziel gefahren. Seitdem prüfe ich ganz genau mit Street View oder anderen Plattformen, ob die von Komoot vorgeschlagene Route auch machbar ist.

Welche deiner bisherigen Radreisen war dein persönliches Highlight – und warum?

Nikos: Ich bin letztes Jahr anlässlich meines 40. Geburtstags von Berlin zu meiner Heimatstadt Athen gefahren und pünktlich am Tag vor meinem Geburtstag angekommen. Vor der Akropolis mit dem Fahrrad zu stehen war definitiv ein Highlight. Ziemlich gut hat sich es auch angefühlt, als ich bei der Alpenquerung trotz 3 °C komplett verschwitzt endlich oben auf dem San-Bernardino-Pass stand. 

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