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Tine auf ihrem Fahrrad
Bike on Tour

„Mir geht es eher ums Erleben als um die Zahl der Kilometer“

Interview mit Tine von „Unterwegs in Berlin” | 21.08.2026

Porträtfoto von Tine

Tine Volpert

Tine liebt Berlin und das Fahrradfahren und verbindet beides auf ihrem Blog „Unterwegs in Berlin”. Dort berichtet sie seit 2014 über ihre Radtouren durch Berlin und Brandenburg, stellt spannende Ausflugsziele vor und macht Lust darauf, die Region auf eigene Faust zu erkunden. Auf der Suche nach neuen Entdeckungen steigt sie regelmäßig aufs Rad und fährt los, oft zu Orten, die selbst viele Berliner*innen noch nicht kennen. Mit ihrer Leidenschaft fürs Radfahren und fürs Erzählen von Geschichten hat sie sich eine treue Leserschaft aufgebaut.

Tine, erzähl uns kurz: Wie ist die Idee entstanden, deine Entdeckungen in und um Berlin auf einem Blog festzuhalten?

Ich habe schon länger Radtouren durch Berlin gemacht, Freunden von meinen Erlebnissen erzählt und Fotos gezeigt. Oft hörte ich dann „Das sieht toll aus, da war ich noch nie.“ Und da ich auch sehr gerne schreibe, hatte ich 2014 die Idee, meinen Blog zu starten. Auch weil es damals keinen Blog gab, der über gemütliche Alltagsrouten in Berlin schrieb. 

Du erkundest Berlin und Brandenburg seit vielen Jahren mit dem Fahrrad. Was macht für dich persönlich eine gelungene Radtour aus?

Für mich persönlich geht es immer um eine Mischung aus Natur, Architektur und schönen Ausblicken. Und das Ganze schön gemütlich mit maximal 30 Kilometern. Mir geht es ja eher ums Erleben als um die Zahl der Kilometer. Und wenn es dann noch ein schönes Café entlang der Route gibt, fehlt nicht viel zum Glücklichsein.

Wie planst du eine neue Tour? Recherchierst du gezielt oder lässt du dich lieber spontan treiben?

Ich liebe Karten und daher liebe ich es auch, meine Routen vorher zu planen. Ich nutze dafür Komoot und schaue immer nach Gegenden, wo ich noch nicht war. Manchmal speichere ich mir auch Routen von anderen oder plane Routen rund um Orte, die ich mir mal in Google Maps gespeichert habe. Wenn ich dann unterwegs bin, lasse ich mich manchmal auch treiben. Vor allem, wenn ich links und rechts schöne Wohnviertel entdecke oder Hinweisschilder mich zu schönen Ausblicken leiten. 

Gibt es eine Tour, die du immer wieder fährst, weil sie dich jedes Mal aufs Neue fasziniert?

Ja, den Berliner Mauerweg vom Ostbahnhof bis nach Wilhelmsruh. Das hat logistische Gründe, weil ich oft zwischen diesen beiden Gegenden pendle, aber auch, weil man auf dieser Strecke fast ampelfrei von Mitte nach Reinickendorf kommt und ich das Grüne Band beim Bahnhof Schönholz so liebe.

Welche drei Tipps würdest du Menschen geben, die Berlin und Brandenburg mit dem Fahrrad neu entdecken möchten?

  1. Mein bester Tipp für den Einstieg: sonntags fahren. Der Verkehr ist deutlich entspannter, viele Straßen sind leerer und die Stadt wirkt gleich viel ruhiger. Vor allem wenn man sich im Berliner Verkehr noch unsicher fühlt, ist Sonntag der perfekte Tag, um Strecken auszuprobieren. 
  2. Bekannte Routen nutzen. Gerade am Anfang hilft es enorm, Strecken zu fahren, die man schon kennt. So muss man sich nicht auf die Navigation konzentrieren, sondern kann einfach losfahren.
  3. Autofreie oder ruhige Wege nutzen. Wenn man sicherer auf dem Rad werden möchte, sind Strecken mit wenig Autoverkehr ratsam, wie z.B. durch Parks, entlang von Flüssen und Kanälen, durch den Grunewald, die Grünen Hauptwege oder Fahrradstraßen. Dabei hilft auch Komoot, um solche Strecken zu identifizieren.

Auf deinen Touren entdeckst du immer wieder spannende Orte abseits der bekannten Wege. Welche davon sind dir zuletzt besonders in Erinnerung geblieben?

Da fällt mir zuerst das Naturschutzgebiet „Niedermoorwiesen am Tegeler Fließ“ ein, das entlang des Berliner Mauerweges im Norden zu finden ist. Der Ausblick von oben auf den Köppchensee ist einfach grandios und ich halte da mittlerweile jedes Mal, wenn ich in der Nähe bin. Architektonisch war es auf jeden Fall die denkmalgeschützte Siedlung Paddenpuhl in Reinickendorf mit ihrer ungewöhnlichen Fenstergestaltung.

Gibt es eine überraschende oder unvergessliche Begegnung, die du auf einer deiner Radtouren erlebt hast?

Auf einer mehrtägigen Radtour um die Uckerseen habe ich in meiner Pension ein älteres Ehepaar aus Düsseldorf getroffen, das zum ersten Mal „Urlaub im Osten“ machte. Sie kamen aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus und wir unterhielten uns lange am Frühstückstisch.

Wenn jemand deinen Blog zum ersten Mal besucht: Welche drei Touren sollte die Person unbedingt radeln und warum?

Pankeradweg
So schön grün und einfach zu beradeln.

Dahme-Radweg von Köpenick nach Königs Wusterhausen
Es ist wie ein Tag Urlaub und die Fährfahrt mittendrin ist einfach zu schön.

Radtour durch Spandau
Dieser Bezirk wird ja immer ein bisschen belächelt, aber es gibt so schöne Ecken. 

Gibt es in Berlin oder Brandenburg noch einen „weißen Fleck“ auf deiner persönlichen Radkarte? Welche Region möchtest du mit dem Fahrrad unbedingt noch näher entdecken?

Oh ja, ein paar gibt es da noch. Dahlem steht oben auf der Liste, aber auch der neue Radweg „Rund um Berlin“ sowie die letzten Etappen des Berliner Mauerwegs.

Wenn du auf die vielen Jahre Radfahren zurückblickst: Was hat sich für Radfahrende verändert und worüber freust du dich besonders?

Ich persönlich freue mich auf den fortschreitenden Ausbau des Radverkehrs und der Radinfrastruktur. Viele Straßen in meinem Kiez sind mit tollen Radwegen ausgestattet oder zu Fahrradstraßen umgebaut worden. Klar ist noch Luft nach oben, aber ich sehe die positive Veränderung. 

Porträtfoto Tine Volpert: © Carolin Hardt, Luzia Reiffers

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Lea

Das Interview führte Lea. Seit 2020 kümmert sie sich bei infraVelo um alles Digitale. Aufgewachsen im Wedding und heute in Tegel zu Hause, weiß sie, wie unterschiedlich sich Stadt anfühlen kann. Jeden Freitag freut sie sich über einen neuen Ausflugstipp von Tine auf Instagram.

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